Rezesionen

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hon, han, hen. DAS genderneutrale Kinderbuch aus Schweden: Kivi & Monsterhund

Kivi & Monsterhund sorgte im deutschsprachigen Raum für Aufregung, lange bevor es erschienen ist. Ich erinnere mich mindestens an eine Doku auf Arte und mehrere Zeitungsartikel in denen das Kinderbuch als Aufhänger für die Diskussion, rund um das neu geschaffene geschlechtsneutrale schwedische Pronomen, diente. Mittlerweile sind einige Jahre vergangen, ist inzwischen ein offiziell anerkanntes Wort in Schweden und Kinder mit nicht binären Protagonist_innen haben wir mittlerweile einige weitere entdeckt.

Dennoch habe ich mich sehr gefreut, dass Maria Benson in ihrem kleinen, feinen Verlag, nach unserem allerliebsten Lieblingsbuch Warum weint der Papa Kivi & Monsterhund auf Deutsch herausgebracht hat. Besonders gespannt war ich auf die Übersetzung von Jochen Barthel und vor allem darauf, wie er hen ins Deutsche, wo es kein richtiges Äquivalent gibt, transferiert. Seinen Zugang zum Thema erläutert er ausführlich im Vorwort. Zu meiner Überraschung hat er es einfach beim schwedischen Ursprungswort belassen. Aber warum eigentlich nicht: Wichtig sei die Offenheit für nicht-binäre Lebensentwürfe, Ideen für sprachliche Umsetzungen gibt es viele. Kivi würde sich bestimmt für hen enscheiden, schließlich sei hen ja aus Schweden! 

Sprachlich sind wir beim Vorlesen keineswegs über das Wörtchen hen oder ungewohnte Wortkonstruktionen wie Mapa, Pama, Tankel oder Halbbresters gestolpert. Vielmehr waren es die Reime, die anfangs etwas ungewohnt waren und die ein paar Durchgänge gebraucht haben um gut zu wirken. Mittlerweile lesen wir die Geschichte, über das Kind, das nur ins Bett geht, wenn es  zum Geburtstag einen Hund bekommt, sehr gerne. Der turbulente und abenteuerliche Alltag mit dem heiß ersehnten Tier, das am nächsten Tag auf der Matte steht ist etwas anders als hen sich das vorgestellt hat… Die Geschichte ist schräg und turbulent, die Illustrationen, lebendig und spaßig. Einziger Wertmutstropfen: kommen nicht so gut weg, im Gegensatz zu einem nicht binären Pronomen finde ich das wirklich skandalös.

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Ich lunze immer ganz neidisch auf den schwedischen Kinderbuchmarkt rüber (meistens auf Instagram bei Barnenboktipps). Mir scheint, als hätte Vielfalt dort einen viel höheren Stellenwert als im deutschsprachigen Raum. Der Olika förlag ist mir seit der Veröffentlichung des Kinderbuchs Kivi & Monsterhund, das ohne Geschlechterzuschreibungen auskommt und stattdessen auf das neutrale Pronomen „hen“ zurückgreift, ein Begriff. Vor einigen Jahren sorgte die Geschichte noch für Aufregung, nicht nur in Schweden sondern auch hierzulande. Die große Debatte sei mittlerweile beendet, sagt die Sprachwissenschaftlerin Karin Milles und spricht von einer breiten Verwendung des Wortes. Wer hätte es gedacht? (Wir natürlich!)

Dass es mittlerweile ein Kinderbuch aus dem Olika förlag auf Deutsch gibt, habe ich nur durch Zufall erfahren, umso mehr freue mich, das Buch nun einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Maria Benson hat still und heimlich ihren eigenen kleinen Verlag gegründet um großartige Bücher auf den deutschsprachigen Markt zu bringen.

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Das erste Buch, dass erschienen ist heißt Warum Weint der Papa? und erzählt die Geschichte von zwei Kindergartenkindern (beiden wird, genau wie Kivi, kein Geschlecht zugeschrieben), die über den Zaun hinweg einen vermuteten Papa beobachten. Für sie ist das ein Anlass darüber nachzudenken, warum es dazu gekommen ist. Sie diskutieren mögliche Gründe dafür und beziehen dabei auch immer ihre eigene Gefühlswelt mit ein.

Vielleicht hat er Bauchschmerzen hat, weil er zuviele Süßigkeiten gegessen hat? Oder er ist so müde, weil sein Baby nachts so viel weint. Oder weil seine Mama keine Zeit für ihn hat?

In den Gedankengängen der Kinder können sich mit Sicherheit ganz viele Zuhörer_innen (ab etwa 3 Jahren) wiederfinden, Mitgefühl spüren und überlegen, was sie was sie selbst traurig oder glücklich macht. Warum Weint der Papa? ist eine wunderbare Geschichte über Empathie, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit denen die Autor_innen Vielfalt abbilden ist grandios, so dass ich es beinahe quatschig finde, das extra lobend zu erwähnen, der Vollständigkeit halber mach ich’s aber doch.

8. December 2018 | Carla

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Zwei Kindergartenkinder beobachten über einen Zaun hinweg einen vermuteten Papa, der weint. Sie versuchen den Grund für sein Weinen ausfindig zu machen und beziehen dabei immer ihre eigene Gefühlswelt mit ein. Die geschieht, indem sie Beispiele anbringen, bei denen sie einmal traurig waren. „Vielleicht weil er zu viele Süßigkeiten gegessen hat und jetzt weinen muss vor Bauchschmerzen.“

Während der Geschichte wird den Kindern Alvdis und Hamsa kein Geschlecht zugeschrieben. Alvdis hat lange Haare, trägt ein Kleid und hat einen Fußball unter dem Arm. Das Buch bildet Menschen of color ab und bedient sich allgemein Vielfalt mit einer wunderbaren Selbstverständlichkeit.

Das Buch ist im Original auf dem schwedischen Markt erschienen und ist daher auch auf schwedisch erhältlich.

Altersempfehlung: ab 3 Jahren

TILMANN WARNECKES TIPP FÜR EUCH –

Kinderbücher mit diversen Familienkonstellationen beziehungsweise wenig klischeehaften Geschlechterrollen gibt es leider immer noch viel zu wenige. Mit Grausen erinnere ich mich an die Conni-Bücher, die meine Nichten – für mich völlig unerklärlich – geliebt haben. Beim Vorlesen habe ich manchmal spontan Namen und Geschlechter geändert, um ein bisschen Diversität in dieses Familienbild der 1950er zu bringen – was zu schweren Rügen von den Nichten führte, die die Bücher auswendig herbeten konnten.

Für die ganz Kleinen gibt es jetzt zum Glück das Bilderbuch „Kivi & Monsterhund“ von den schwedischen Autor*innen Jesper Lindquist und Bettina Johansson in deutscher Übersetzung. „Kivi & Monsterhund“ ist das erste schwedische Kinderbuch, das das geschlechtsneutrale Pronomen „hen“ benutzt. Im Deutschen tun wir uns damit ja bekanntermaßen schwer. Der Berliner Übersetzer Jochen Barthel hat es einfach bei „hen“ belassen – und siehe da, das Abendland geht nicht unter, die Reime, in denen das Buch gedichtet ist, funktionieren ganz wunderbar.

Und das wichtigste: „Kivi & Monsterhund“ ist eine reizende Geschichte über ein Kind, das unbedingt einen Hund haben möchte. Kivi bekommt allerdings nicht einen süßen Flauschball, sondern den „hässlichsten Köter im ganzen Land“, der leider weder Benimm noch Verstand hat. Wie Kivi damit umgeht, welche Abenteuer das Kind mit dem Höllenhund erlebt, ist sehr schön illustriert – und hat ein garantiert überraschendes Ende. Unbedingt empfehlenswert! (Maria Benson Verlag, ISBN 978-3-9818785-1-6, 12,50 Euro)

19.03.2020 | Tilmann Warnecke

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Hamsa und Alvdis beobachten einen Mann, der außerhalb des Zauns im Park sitzt und weint. Warum tut er das? wundern sich Alvdis und Hamsa.
War jemand gemein zu ihm? Oder ist er bloß müde?
Vielleicht hat er etwas verloren? Ist er vom Fahrrad gefallen? Oder hat er nur zuviele Süßigkeiten gegessen?

Warum Weint der Papa? ist ein wunderschönes Vorleseerlebnis für Kinder ab ca. 3 Jahren, bei dem Kinder Mitgefühl spüren und überlegen können, was sie selbst traurig oder glücklich macht. Spannend und berührend zugleich, gelingt es Kristina Murray Brodin und Bettina Johansson eine wertvolle Geschichte zu schmieden, in der sich jedes Kind wiederfinden kann.